Das Edelgas Radon

Es handelt sich dabei um ein farb-, geruchs- und geschmackloses Edelgas natürlichen Ursprungs. Dieses Gas ist ein Zerfallsprodukt des in Böden und Gesteinen vorkommenden Schwermetalls Uran.

Aus Böden und Gesteinen kann Radon relativ leicht entweichen und sich über die Bodenluft, oder in Wasser gelöst, ausbreiten. Hierbei kann es auch in die Raumluft von Gebäuden gelangen.

Von allen natürlichen Strahlungsquellen, denen der Mensch ausgesetzt ist, hat Radon den höchsten Anteil und ist insoweit nichts Besonderes, solange es die üblichen, unvermeidbaren Werte nicht überschreitet. (Radonmessungen in Gebäuden zur Erstbewertung sind einfach und kostengünstig durchzuführen und sinnvoll).

Warum nun verdient dieses Gas unsere Aufmerksamkeit?

Weil es eine Gefahr für unsere Gesundheit sein kann. Dabei geht das größte gesundheitliche Risiko nicht vom radioaktiven Edelgas selbst aus, sondern von dessen kurzlebigen Zerfallsprodukten – ebenfalls radioaktiven Schwermetallen.

Beim Atmen werden die freien Zerfallsprodukte und die Aerosole mit den anhaftenden Radon-Zerfallsprodukten in der Lunge abgelagert. Von dort senden sie ionisierende Strahlung aus, die das unmittelbar umgebende Lungengewebe schädigen und letztlich Lungenkrebs auslösen kann.

Durch jüngste epidemiologische Untersuchungen in Wohngebäuden wurde eine statistisch signifikante Zunahme des Lungenkrebsrisikos durch eine längere Radonexposition in Gebäuden im Bereich von etwa 100 Bq/m³ nachgewiesen (Quelle: RICHTLINIE 2013/59/EURATOM).

Verbindliche Grenzwerte für die nicht zu überschreitende Radonkonzentration in Innenräumen gibt es derzeit weder in Deutschland noch in der Europäischen Union.

Dafür eine Reihe von Richt- und Empfehlungswerten der unterschiedlichsten Gremien.

So gibt die neueste Richtlinie 2013/59/Euratom der Europäischen Union vom Januar 2014 als Richtwert 300 Becquerel/m³ (Bq/m³) für Radon in Gebäuden vor. Sie muss bis 06.02.2018 in nationales Recht umgesetzt werden.

Um dem Leser ein Gespür für die Dimensionen zu vermitteln, die mittlere Radonkonzentration in Wohngebäuden in der Bundesrepublik liegt bei ca. 50 Bq/m³ Luft, in der Außenluft beträgt die Radonkonzentration etwa 10 Bq/m³.

(Durch die Einheit Bq wird die Anzahl der Atomkerne ausgedrückt, die pro Sekunde zerfallen. Dies ist ein Maß für die Radioaktivität eines Mediums).

Wie gelangt Radon in das Gebäude?

Der hauptsächlich wirkende physikalische Prozess für den Radoneintritt vom Untergrund in das Gebäude ist die Konvektion. Dabei dringt Radon als Bestandteil von Bodenluft durch Fugen und Risse oder Öffnungen an den erdberührenden Bauteilen ins Gebäude ein.

Bodenluft gelangt nur dann ins Haus, wenn ein Druckunterschied zwischen Erdreich und Gebäude vorliegt bzw. die oberirdisch aus dem Gebäude entweichende Luft einen Unterdruck im Gebäude verursacht hat.

Da das gasförmige Radon schwerer ist als Luft, ist die höchste Konzentration in den am tiefsten gelegenen Räumen zu erwarten. Halb so schlimm, wenn diese z.B. als Kellerräume nicht dauerhaft als Aufenthaltsraum von den Bewohnern genutzt werden.

Vorgenannter physikalischer Prozess sorgt nun aber möglicherweise auch für das Vordringen des Radons von tieferen Stockwerken in die höher gelegenen Wohnräume.

Die Einflussfaktoren auf die Radonkonzentration in Gebäuden sind extrem vielfältig.

Neben dem Radonpotential des Bauuntergrunds, beeinflusst durch dessen Porosität, sind die Lage des Gebäudes, dessen Architektur, die Bauausführung, die Belüftung, die Temperaturdifferenzen, saisonale und meteorologische Bedingungen und nicht zuletzt die Lebensgewohnheiten der Bewohner von Bedeutung.

Eine immer luftdichtere Bauweise mit der Folge geringer Luftwechselraten trägt häufig zusätzlich zur Schadstoffanreicherung bei.

Prävention beim Neubau

Grundsätzliches:

Die wichtigste Quelle der Radonkonzentration in der Raumluft ist das Eindringen von Radon aus der Bodenluft.

Die Radonexhalation aus den Baustoffen spielt i.d.R. eine untergeordnete Rolle.

Die wichtigste Senke ist der Luftaustausch mit der Außenluft (Luftwechselrate).

Ziele des radonsicheren Bauens:

- Reduzierung der Radonzufuhr aus dem Erdreich.

- Reduzierung der Radonkonzentration in der Raumluft durch Luftaustausch.

Kosten von Radonschutzmaßnahmen:

Grundsätzlich ist es ausreichend, die Forderungen der DIN 18 195 bei hoher Bauqualität durchzusetzen. Vor allen Dingen dann, wenn die heute übliche Bauweise mit Stb.-Bodenplatte und zusätzlicher Abdichtung angewendet wird, wird ein hoher Radonschutz erreicht.

Mehrkosten können in geringem Maße durch erhöhte Qualitätsanforderungen an die Abdichtung von Fugen, sowie Rohr- und Leitungsdurchführungen entstehen.

Optimal ist die Kombination mit einer Anlage zur kontrollierten Wohnraumlüftung, deren ordnungsgemäßer Betrieb sich sehr günstig auf die Radonsituation im Gebäude auswirkt und zudem noch energetische und hygienische Vorteile aufweist.

Mehrkosten bei hohen Bodenradonwerten:

Wird als zusätzliche Sicherung des Gebäudes gegen das Eindringen von radonhaltiger Bodenluft eine Radondränage ergänzt, entstehen für diese Maßnahme Mehrkosten in einem überschaubaren Rahmen.

FAZIT

Im Neubau können Mehrkosten für den baulichen Radonschutz fast vollständig vermieden werden. Bedingung ist es aber, dass der Radonschutz bereits in einer frühen Planungsphase berücksichtigt und auf eine hohe Bauqualität geachtet wird.

Dazu unabdingbar ist es, die Baubeteiligten für die Anforderungen des Radonschutzes zu sensibilisieren und zu verpflichten; gerade in dieser frühen Rohbauphase ist Qualitätssicherung kein einfaches Thema. Eine Radonfachperson kann Ihnen bei dieser Kommunikationsaufgabe hilfreich zur Seite stehen.

Sanierung bestehender Gebäude

Die Sanierung bestehender Gebäude mit übermässiger Radonbelastung ist meist wesentlich schwierieger, ungewisser und aufwändiger als eine korrekt durchgeführte Radonprävention bei Neubauten.

 

Die regionale Verteilung der Radonkonzentration in der Bodenluft gibt Aufschluss darüber, in welchen Regionen mit einer erhöhten Radonkonzentration in der Raumluft zu rechnen ist.

Mit der unterschiedlichen Struktur der Böden schwankt auch die Konzentration in der Radon aus dem Boden nach oben gelangt.

Es zeigt sich, dass vor allem Gebiete in Süddeutschland, im Mittelgebirge, aber auch in Sachsen erhöhte Messwerte aufweisen.

 

Zwar können Risikogebiete (wegen des geologischen Potentials) auf eine erhöhte Gefahr hinweisen. Die Prognose der Radonkonzentration erlaubt jedoch keine Aussagen darüber, wie hoch die Belastung auf einzelnen Grundstücken oder in einem bestimmten Haus ist.

 

Einflussfaktoren auf die Radonkonzentration in Innenräumen 

Die durchschnittliche Radonkonzentration beträgt in Deutschland in Innenräumen etwa 50 Becquerel pro Kubikmeter Luft. Die Messwerte reichen von einigen wenigen bis zu mehreren tausenden Becquerel pro Kubikmeter. Die Höhe der Konzentration hängt von vielen Faktoren ab:

Neben der Zusammensetzung von Boden und Gestein spielt vor allem die Durchlässigkeit des Untergrunds eine wichtige Rolle.

Entscheidend auch die Durchlässigkeit des Gebäudes mit seinen erdberührenden Bauteilen gegenüber Radon. Spalten und Risse sowie die Durchdringungen von Ver- und Entsorgungsleitungen sind Zugangswege für das Radongas. Auch bei kleinen undichten Stellen im Fundament kann Radon durch einen im Gebäude entstehenden Unterdruck angesaugt werden.

 

Auch der Austausch der Raumluft durch Außenluft spielt eine wesentliche Rolle bei der Radonkonzentration. Wird der Luftwechsel verringert, beispielsweise durch ungenügendes Lüften, oder auch durch den Einbau dicht schließender Fenster und Türen, kann die Raumluftkonzentration von Radon erheblich ansteigen, wenn vorhandene Radonzutrittswege nicht abgedichtet werden.

Die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) kann in diesem Zusammenhang mit der Forderung nach dichter Bauweise zu einem verringerten Luftwechsel und damit zu einer Erhöhung der Raumluftkonzentration (auch anderer Luftschadstoffe) führen.

Aufschluss über eine mögliche Belastung gibt einzig und allein eine Messung der Radonkonzentrationen in den Räumen des Gebäudes.



Handlungsbedarf


Da es in Deutschland bislang noch keine verbindlichen Grenzwerte gibt, wird in Fachkreisen abhängig von den Messwerten folgendes empfohlen:

Über 1000 Bq/m3 sind Sofortmaßnahmen angeraten; das bedeutet in Wohnräumen und solchen für einen ständigen Aufenthalt eine umfangreiche Radonsanierung. Über 400 Bq/m3 gegebenenfalls Sofortmaßnahmen in einfacher Form (z.B. Erhöhung der Luftwechselrate); Planung und Durchführung von Radonschutzmaßnahmen angeraten. Über 100 Bq/m3 Planung und Durchführung von Radonschutzmaßnahmen empfohlen. Unter 100 Bq/m3 sind keine Maßnahmen erforderlich.

Die möglichen Maßnahmen reichen von sehr einfachen Methoden bis hin zu aufwendigen Baumaßnahmen. Dies geht von der möglichen Umnutzung betroffener Aufenthaltsräume wenn sich diese im Kellergeschoss befinden, Verstärktem manuellen Lüften, dem Verschließen von sichtbaren Öffnungen und Rissen, über kontrollierte Lüftungsmaßnahmen, der Verhinderung der Gasausbreitung in die oberen Geschosse, bis hin zu großflächigen Abdichtungen der erdberührten Bauteile oder Luftabsaugung unter dem Gebäude.

Radonsanierungen sind Einzelfallentscheidungen, können aber oftmals auch mit vertretbaren Kosten erfolgreich durchgeführt werden.

Die beratenden Fachleute sind angehalten mit den im Einzelfall kostengünstigsten Möglichkeiten zu beginnen und deren Wirksamkeit mit nachfolgenden Kontrollmessungen zu überprüfen und zu dokumentieren.